|
PROTEINCENTER - DAS ERSTE INTERDISZIPLINÄRE ZENTRUM FÜR PROTEIN- UND
PROTEOMFORSCHUNG IN DEUTSCHLAND
Überblick
An der Ruhr-Universität Bochum ist gemäß einer Zielvereinbarung mit
dem Land Nordrhein-Westfalen das Proteincenter eingerichtet worden. Im Proteincenter
werden Plattformtechnologien für die
interdisziplinär angelegte Proteinforschung in den Fakultäten zur Verfügung
gestellt. Es besteht aus vier Bereichen, Koordinatoren dienen
jeweils als Ansprechpartner für universitäre Gruppen.
Die vier Säulen des Proteincenters und ihre Koordinatoren sind:
| Sprecher des Proteincenters |
Prof. Dr. Klaus Gerwert |
gerwert/AT/proteincenter.de |
(Bitte ersetzen "/AT/" durch "@", um eine Email zu schreiben.)
Mit dem Proteincenter soll universitären Gruppen Expertenwissen und
experimentelle Ausstattung für ihre Proteinforschung zur Verfügung stehen.
Bereits existierende Aktivitäten innerhalb der Proteinforschung sollen
abgestimmt und gebündelt werden. Den Arbeitsgruppen an der RUB soll
transparent werden, welche Expertisen an der
Universität vorhanden sind und genutzt werden können. Die Plattformtechnologien
sollen ausgebaut werden, um in Zukunft bei größeren
Ausschreibungen, die vom BMBF und dem
6. EU-Forschungsrahmenprogramm zu erwarten sind,
konkurrenzfähig sein zu können.
Genome und Proteome
Nach der Entschlüsselung des
menschlichen Genoms und anderer Genome steht jetzt die Erforschung der
Proteine
und ihrer Wechselwirkungen an. Proteine, deren Baupläne
das Genom enthält, vermitteln etwa Signale oder dienen als Nanomaschinen. Alle Proteine, die
gemeinsam eine bestimmte biologische Leistung erbringen, bezeichnet man als Proteom.
So haben eine Raupe und ein Schmetterling das gleiche Genom, aber unterschiedliche
Proteome. Zunächst geht es darum, die einzelnen Proteome zu identifizieren.
(Fotos: Axel Martin)
Die Proteomik
ist ein junger Forschungszweig, der sich der Erkennung von Proteinmustern
in Zellen oder Organellen widmet. Die Forscher vergleichen Proteinmuster, die
charakteristisch für bestimmte Zellzustände sind. Durch Vergleich zwischen kranken und
gesunden Zellen hoffen sie, die krankheitsrelevanten Proteine zu identifizieren und sie
als Angriffspunkte für neue Medikamente zu nutzen. So
vergleichen sie z. B. per Proteomanalyse
die Hirnflüssigkeit von Alzheimer-Patienten mit der von gesunden Probanden. Stellt sich z. B.
heraus, dass beim Kranken ein Protein gehäuft auftritt, erforschen sie es weiter. Sie
bestimmen seine dreidimensionale Struktur, z. B. über
Röntgendiffraktometrie
, und sein dynamisches
Verhalten mit spektroskopischen Methoden. So vervollständigt sich nach und nach das Bild,
wie die biologische Leistung auf molekularer Ebene erbracht wird. Dieses fundierte Verständnis
beschleunigt die Entwicklung entsprechender Wirkstoffe gegen Fehlfunktionen des Zielproteins
(rational drug design).
Die Säulen des Proteincenters
Erst kürzlich hat Prof. Helmut E. Meyer das
Medizinische Proteom-Center
eingerichtet. Dort sind neben der Proteomanalyse praktisch alle
State-of-the-art-Techniken der modernen Proteinanalytik verfügbar. Ergänzend dazu ist der
Zweig "Biomolekulare Analytik" zu sehen, wo moderne chemische
Analysemethoden für die
Proteinforschung vorhanden sind. Prof. William S. Sheldrick bietet bereits seit Jahren
innerhalb und außerhalb der Fakultät für Chemie einen Analyseservice an. In der Säule
"Biotechnologie" verfügt Prof. Matthias Rögners Arbeitsgruppe über
eine große Expertise in der
Proteinexpression und -aufreinigung, besonders von Membranproteinen. Die Bereitstellung
aufgereinigter Proteine ist eine wichtige Voraussetzung für die Säule
"Strukturbiologie".
In diesem Forschungszweig werden Struktur und Dynamik von Proteinen und der Einfluss von
Wirkstoffen bestimmt. Der Koordinator Prof. Klaus Gerwert ist auch Sprecher der Initiative.
Die Einrichtung einer Juniorprofessur für Röntgenstrukturanalyse von Proteinen ist mit der
Schaffung des Proteincenters verbunden, wodurch dieser Forschungszweig erstmals an der RUB
vertreten sein wird. Die dargestellten Säulen müssen in ihrer Zahl nicht endgültig sein: Das
Konzept des Proteincenters ist als offen und erweiterbar angelegt.
Was kann das Proteincenter leisten?
Das Proteincenter soll gemäß einer Zielvereinbarung mit dem
Ministerium für Schule,
Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen als
"Center of Excellence" die Forschung in interdisziplinären
Kooperationen verstärken und den Biowissenschaftlern und Medizinern der RUB die nötigen
Technologien und das Knowhow in der Proteinforschung bereitstellen. Durch die
Institutionalisierung können vorhandene Ressourcen gebündelt und Forschungsvorhaben
koordiniert werden. Es sind z. B. keine neuen Labors nötig, da die einzelnen Gruppen bereits
über die technische Einrichtung ihres Fachgebiets verfügen. Das vorhandene Expertenwissen soll
zudem durch Neuberufungen ergänzt werden, um die Proteinforschung mit größtmöglicher Breite
abdecken zu können. So sollen im Proteincenter z. B. drei Juniorprofessorinnen oder
-professoren arbeiten. Das Land NRW unterstützt den Ausbau des Proteincenters finanziell.
Das Proteincenter ermöglicht es Biowissenschaftlern und Medizinern, ihre Aktivität
in der Proteinforschung zu erweitern und sich im internationalen Vergleich zu behaupten
- eine Voraussetzung, um Drittmittel einwerben zu können. Vor allem mit Blick auf das
6. Forschungsrahmenprogramm der EU
ist das Proteincenter durch die Vernetzung der Forschung exzellent positioniert.
Auch die Studierenden soll vom
Proteincenter profitieren: Sie sollen Wissen und Fähigkeiten erwerben, die ihnen auf dem
Biotechnologiemarkt zugute kommen. Dem Markt wird im Bereich der Proteomforschung ein starkes
Wachstum vorhergesagt, bis 2005 soll er ein Volumen von etwa
sechs Milliarden US-Dollar
erreichen. Ein Ausbau der Forschung in dieser Disziplin ist daher auch ein wichtiger
Wirtschaftsfaktor für die Region.
|